Logo DJA

Journalismus-Lexikon

Volontariat

In diesem Beitrag sehen wir uns das redaktionelle Volontariat genauer an und vergleichen es mit dem Studium an einer Universität/Fachhochschule und der Journalismus-Ausbildung an einer Journalistenschule.

Eigentlich versteht man unter einem Volontariat im allgemeinen Sprachgebrauch einen sogenannten Freiwilligendienst. Hierbei handelt es sich um eine ehrenamtliche und zeitlich befristete Tätigkeit für gemeinnützige Institutionen und Organisationen. Die Volontäre erhalten hier üblicherweise keine oder nur eine geringfügige Bezahlung. Der Grund für diese Form der freiwilligen Arbeit liegt meist darin, dass sich die Volontäre erste Erfahrungen im Berufsleben und möglicherweise sogar Pluspunkte im Lebenslauf versprechen.

Anders wird der Begriff im Journalismus definiert. Hier werden grundsätzlich alle Auszubildenden, also die angehenden Redakteure, als Volontäre bezeichnet. Diese innerbetriebliche Ausbildung dauert laut Tarifvertrag grundsätzlich 24 Monate. Bei einer hervorragenden Eignung des Volontärs ist aber eine Verkürzung der Ausbildungszeit auf bis zu 15 Monate möglich. Grundsätzlich werden von den Medien allerdings nur Volontäre eingestellt, die mindestens 18 Jahre sind. Weil vor allem die überregionalen Medien aber Bewerber mit einem erfolgreich abgeschlossenen Hochschulstudium bevorzugen, liegt das Einstiegsalter ins Volontariat im Durchschnitt zwischen 28 und 30 Jahren.

Welche Aufgaben Volontär und Arbeitgeber erfüllen müssen, ist in Deutschland ausschließlich über Tarifverträge geregelt. Die Vorgabe darüber, wie lange ein Volontariat sein und welche Inhalte der Ausbildungsbetrieb vermitteln muss, ist allerdings erst seit 1990 genau geregelt. So ist etwa festgelegt, dass die Volontäre mehrere Redaktionen einer Zeitung, einer Zeitschrift, einer Rundfunk- oder Fernsehstation durchlaufen müssen. Zwingend verpflichtend sind dabei die Ressorts Nachrichten oder Lokales und Politik. Das dritte Ressort, etwa Kultur, Sport oder Wirtschaft, kann frei gewählt werden.

Bis auf eine Ausnahme müssen angehende Redakteure ein Volontariat absolvieren, bevor sie eine Redakteursstelle erhalten können, auch wenn sie zuvor bereits eine Ausbildung in den Medien absolviert haben. Lediglich die Absolventen einer Journalistenschule sind davon ausgenommen. Der Grund: Volontäre sollen die redaktionellen und betrieblichen Abläufe gut kennenlernen, die bei verschiedenen Medien innerhalb einer Mediengattung ja im Grunde gleich sind. Absolventen einer Journalistenschule haben diese hingegen bereits kennengelernt. Und eine weitere Ausnahme gilt im Journalismus: Grundsätzlich darf nur ein Volontariat absolviert werden. Wenn du also beispielsweise bei einer Zeitung volontiert hast und anschließend zu Rundfunk oder Fernsehen wechseln möchtest, kannst du in der Regel kein Volontariat mehr absolvieren, sondern musst dir die entsprechenden Kenntnisse durch eine anderweitige Weiterbildung aneignen.

Daten und Fakten

Deutsche Medien bieten im Rahmen der journalistischen Ausbildung insgesamt rund 3.000 Volontärsstellen an. Etwa 80 Prozent der angehenden Redakteure absolvieren das Volontariat bei der Presse, bei Agenturen oder beim Rundfunk. Die weitaus größte Rolle in der journalistischen Ausbildung spielen Tageszeitungen, wo bundesweit etwa 1.200 Volontäre beschäftigt sind. Eine nahezu ebenso wichtige Rolle haben Zeitschriften inne, die rund 800 Ausbildungsplätze anbieten. Über 500 Volontäre sind in lokalen und regionalen privaten Rundfunkanstalten tätig, bei den großen überregionalen Rundfunkanstalten sind es etwa 300. Weitaus weniger wichtig für die journalistische Ausbildung sind Anzeigenblätter, bei denen lediglich rund 150 Volontäre ausgebildet werden, und Nachrichtenagenturen. Hier bewegt sich die Zahl der Volontärsstellen lediglich im zweistelligen Bereich.

Dennoch dürfte es deutschlandweit mehr als die offiziellen rund 3.000 Volontärsstellen geben. Der Grund: Wie viele Volontariate in Onlinemedien angeboten werden, ist selbst den Fach- und Berufsverbänden nicht bekannt, weil für diesen Bereich nicht einmal Schätzungen existieren.

Während in den vergangenen Jahrzehnten der Beruf des Journalisten eher eine klassische Männerdomäne war, lässt sich aktuell der umgekehrte Trend feststellen: Mittlerweile sind 57 Prozent der Volontäre weiblichen Geschlechts.

Dass die jungen Journalisten nach dem 24-monatigen Volontariat – das auf 15 Monate verkürzt werden kann – eine Festanstellung erhalten, ist übrigens nicht gesichert. Sehr viel häufiger erhalten sie nach der Ausbildung einen Pauschal- oder Zeitvertrag. Lediglich circa ein Drittel der Volontäre kann mit einer Festanstellung als Redakteur im Ausbildungsbetrieb rechnen. Größtenteils müssen die Absolventen sich also anderweitig bewerben oder zumindest vorübergehend als freier Journalist tätig werden.

In Zeitschriftenverlagen ist die Situation der Volontäre vergleichbar mit ihren Kollegen in Tageszeitungen. Sie sind allerdings etwas schlechter bezahlt und ihre Aufgaben sind weniger eindeutig definiert. Dafür haben sie den Vorteil, dass der Tarifvertrag für die Volontärsausbildung – anders als bei Tageszeitungen – für alle Zeitschriften gilt. Schlechter gestellt sind auch die Volontäre bei privaten Hörfunksendern. Äußerst begehrt ist hingegen die Ausbildung an den großen öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern, die durchwegs ein hohes Ausbildungsniveau garantieren. Das zeigt sich etwa an vierstelligen Bewerberzahlen auf nur wenige offene Stellen.

Zugangsvoraussetzungen

Formal gibt es keine offiziellen Zugangsvoraussetzungen für ein Volontariat, außer dass die Volontäre mindestens 18 Jahre alt sein müssen. In der Praxis hat sich allerdings durchgesetzt, dass die Medienunternehmen mindestens das Abitur verlangen – besser noch einen erfolgreichen Hochschulabschluss. Wer die allgemeine Hochschulreife besitzt, muss zumindest nachweisen können, dass er einen Beruf erlernt hat und darin bereits eine entsprechende Berufspraxis gesammelt hat. Derartige Seiteneinsteiger, die ein Volontariat ohne Abitur absolvieren können, sind mittlerweile allerdings eine äußerst seltene Ausnahme.

Der weitaus größte Teil der jungen Journalisten absolviert zunächst ein Hochschulstudium, 70 Prozent der Volontäre besitzen einen akademischen Abschluss, wobei der Schwerpunkt auf geisteswissenschaftlichen Fächern liegt. Eine Alternative für angehende Journalisten, die nicht studieren möchten: Sie können zunächst als freier Mitarbeiter für ein Medium tätig werden und sich erst dann um ein Volontariat bewerben. Der Vorteil: Die Volontäre haben bereits einen Einblick in den redaktionellen Ablauf erhalten, sie kennen bereits wichtige Ansprechpartner im Unternehmen und der Arbeitgeber kann die Qualität ihrer Arbeit einschätzen.

Neben einer guten und breit gefächerten Allgemeinbildung sollten angehende Volontäre großes Interesse für Neues mitbringen. Idealerweise haben sie auch im Vorfeld schon ein gewisses Gespür dafür entwickelt, welche Themen und Geschichten den Mediennutzer wirklich interessieren. Auch dafür ist die praktische Erfahrung als freier Mitarbeiter von Vorteil.

Der Zugang zum Volontariat ist in den vergangenen Jahren allerdings erheblich schwieriger geworden. Denn viele Medienunternehmen verlangen bereits von den Volontären teilweise Mehrfachqualifikationen, die in früheren Jahren direkt zu einer Stelle als Redakteur geführt hätten. So ist mittlerweile die Kombination von abgeschlossener Journalistenschule, Hochschulstudium und freier Mitarbeit für Volontäre nicht unüblich.

Auswahlkriterien

Weil sich sehr viel mehr junge Menschen für ein Volontariat interessieren als Stellen von Medienunternehmen angeboten werden, können diese aus einer Überzahl an Bewerbern auswählen. Sie können sich also für diejenigen Bewerber entscheiden, die den Vorstellungen des Arbeitgebers am besten entsprechen. Das wiederum bedeutet, dass sich eine pauschale Aussage über die Auswahlkriterien nicht treffen lässt, weil nahezu jedes Unternehmen einen anderen Schwerpunkt setzt.

Große Unternehmen arbeiten für die Auswahl des journalistischen Nachwuchses inzwischen mit standardisierten Testverfahren. Andere Unternehmen hingegen achten eher auf die Bewerbungsunterlagen und deren Qualität oder auf den persönlichen Eindruck, den der Bewerber im Vorstellungsgespräch hinterlässt. Allerdings legen die meisten Unternehmen größten Wert auf vorherige freie Mitarbeit. Der Grund: Die Qualifikation eines jungen Journalisten lässt sich nach Meinung vieler erfahrener Journalisten am besten in der Praxis testen.

Weil die Auswahlverfahren höchst unterschiedlich sind, sollten angehende Journalisten ihre Bewerbungen möglichst breit streuen. Natürlich sollten sie zunächst die großen und angesehenen Medien berücksichtigen, auch wenn hier die Chancen auf ein Volontariat angesichts der hohen Bewerberzahlen relativ schlecht stehen. Werden sie zu einem Vorstellungsgespräch oder Test eingeladen, haben sie aber die Möglichkeit, einen so guten Eindruck zu hinterlassen, dass sie später vielleicht als freier Mitarbeiter einsteigen können.

Wichtig ist den Verantwortlichen in den Medienhäusern, dass die Volontäre frühzeitig Kontakt zur journalistischen Praxis gesucht haben. Dies können sie etwa über eine freie Mitarbeit während der Studien- oder der Studentenzeit, durch die Mitarbeit bei einer Schülerzeitung oder aber auch durch einen eigenen Webblog nachweisen. Das zeigt den Personalverantwortlichen neben dem Interesse an der Tätigkeit auch die Qualität ihrer Arbeit. Engagierten Bewerbern kann das den entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Bewerbern verschaffen, die formal möglicherweise sogar den Anforderungen besser entsprechen würden, aber keinerlei Erfahrungen vorweisen können.

Bewerbungsunterlagen

Für die Bewerbung um ein Volontariat gelten grundsätzlich dieselben Kriterien wie für alle anderen Bewerbungen auch. Die Bewerber müssen also daran denken, die kompletten Unterlagen vom Anschreiben über den Lebenslauf, Zeugnisse, Nachweise über Praktika sowie Auslandsaufenthalte sowie gegebenenfalls Arbeitsproben beizulegen. Allerdings werden die Bewerbungen von den Personalchefs im Hinblick auf die Tätigkeit strenger unter die Lupe genommen.

Weil Volontäre in einem kreativen Beruf arbeiten, in dem das Schreiben im Vordergrund steht, sollten sich die Bewerber also mit dem Anschreiben besonders viel Mühe geben. Dass dies keine Form- und Rechtschreibfehler enthalten sollte, wird von den Personalern als selbstverständlich angenommen. Du solltest außerdem dein deutliches Interesse am Beruf zum Journalisten zum Ausdruck bringen und darlegen, warum genau du der Richtige für die Stelle bist.

Im Lebenslauf müssen alle wichtigen Stationen deines Lebensweges enthalten sein – natürlich ebenfalls im Hinblick auf die spätere Tätigkeit. Zu den relevanten Daten gehören neben dem Schulabschluss natürlich der Ort des Studiums und das jeweilige Fachgebiet. Ferner ist für die Personaler wichtig, ob du schon tätigkeitsrelevante Praktika oder anderweitig erste Erfahrungen gemacht hast. Auch wichtige Projekte, die du während des Studiums durchgeführt hast, kann ein ausschlaggebendes Kriterium sein. Der Grund: Dadurch zeigst du deinem Gegenüber, dass du zu eigenständigem Arbeiten in der Lage bist. Diese wichtigen Stationen solltest du mit entsprechenden Nachweisen oder Zeugnissen belegen können.

Sofern du dich per Mail oder online bewirbst, solltest du dir vorab die Mühe machen, alle wichtigen Unterlagen in einem PDF-Dokument zusammenzufassen. Hier kannst du gern auch mit dezenten gestalterischen Elementen arbeiten, damit deine Bewerbung aus der Masse hervorsticht und du dich positiv abhebst. Das kann dir vor allem bei Printmedien einen entscheidenden Vorteil bringen. Der Grund: Hier müssen Volontäre – etwa bei Krankheits- oder Urlaubsvertretungen – die Aufgaben von Redakteuren übernehmen. Zu diesen Aufgaben gehört in vielen Verlagen eben auch die Gestaltung der Seiten oder sogar der kompletten Ausgabe.

Qualitätskriterien

Bevor sie ihre Bewerbungen abschicken, sollten aber auch die angehenden Volontäre ihren potenziellen Arbeitgeber genauer unter die Lupe nehmen. Denn die Qualität der Ausbildung kann sich sogar bei verschiedenen Medien aus der gleichen Mediengattung erheblich voneinander unterscheiden. Als Faustregel lässt sich sagen: Je größer und angesehener ein Medium ist, umso hochwertiger ist auch die Ausbildung.

Eine wichtige Frage im Vorfeld lautet deshalb: Gibt es einen eigenen Ausbildungsredakteur, der sich um die Belange und die Ausbildung der Volontäre kümmert oder übernimmt diesen Part ein beliebiger anderer Redakteur? In letzterem Fall besteht nämlich die große Gefahr, dass sich das Volontariat nur als besseres Praktikum herausstellt und der Volontär voll in den Alltag eingebunden wird, ohne dass ihm auch das theoretische Wissen beigebracht wird. Denn die Art der Ausbildung wird ebenfalls höchst unterschiedlich geregelt.

So gibt es ein tarifvertraglich geregeltes Volontariat. Bei diesem durchläuft der Volontär verschiedene Abteilungen und lernt dabei im günstigsten Fall den kompletten Ablauf innerhalb aller Ressorts kennen. Vorgeschrieben sind laut Tarifvertrag der Einsatz in den Ressorts Nachrichten oder Lokales, Politik sowie eines dritten Ressorts, das frei wählbar ist. Darüber hinaus besteht seitens der Volontäre ein Anspruch auf mindestens einen vierwöchigen Bildungsabschnitt sowie einen innerbetrieblichen Bildungsabschnitt, der üblicherweise zwei Wochen dauert.

Öffentlich-rechtliche Rundfunksender orientieren sich ebenfalls an dieser Regelung. Allerdings gibt es bei Hörfunk und Fernsehen einen Unterschied: Hier dauert ein Volontariat üblicherweise 18 Monate, während derer die Volontäre fünf bis zehn Stationen innerhalb des Unternehmens durchlaufen. Bei privaten Fernseh- und Radiosendern dagegen gelten höchst unterschiedliche Konditionen, was Dauer, Ausbildung und Höhe des Gehaltes angeht.

Angehende Volontäre sollten deshalb im günstigsten Fall vorab die Regelungen des Tarifvertrages kennen. Sie können dann beim Vorstellungsgespräch gezielt Fragen stellen und idealerweise sogar Pluspunkte sammeln. Schließlich bekunden sie damit ihr Interesse an einer hochwertigen Ausbildung.

Ablauf und Inhalte

Der Ablauf in einem tarifvertraglich geregelten Volontariat ist im Grunde immer gleich. Bei den meisten Printmedien und Sendern bekommen die Volontäre bereits am ersten Tag erste Arbeiten zu erledigen. Anschließend spricht der zuständige Ausbilder das Ergebnis mit dem Volontär durch. Im redaktionellen Alltag wird diese Aufgabe meist vom zuständigen Redaktionsleiter oder einem erfahrenen Kollegen erledigt. Mit dem weiteren Fortschritt des Volontariats werden die Aufgaben immer umfangreicher, bis der Volontär im Grunde einen Redakteur ersetzen kann.

Dieser Ablauf wiederholt sich in jedem Ressort. Der Grund: Jedes Ressort hat seine spezifischen Besonderheiten, was die Herangehensweise und das Verfassen der Beiträge angeht. So stellt das Verfassen eines Sportberichtes ganz andere Herausforderungen an den Volontär als etwa eine Reportage im Lokalen oder ein Hintergrundbericht im Ressort Politik.

Bei größeren Medienhäusern ist der bestellte Ausbildungsredakteur für das komplette Unternehmen in der Regel in der Chefredaktion angesiedelt. Dieser kümmert sich allerdings nicht um die einzelnen Arbeiten der Volontäre, sondern organisiert vielmehr deren Rotation durch die verschiedenen Ressorts sowie die theoretische Ausbildung.

Bei der innerbetrieblichen theoretischen Ausbildung bekommen die Volontäre auch einen Einblick in die Arbeit jener Ressorts, die nicht auf ihrem Ausbildungsplan stehen. Zudem werden wichtige juristische Fragen wie Presserecht oder Persönlichkeitsrechte angesprochen, für die in der Hektik des Alltags oft keine Zeit bleibt. Theoretische Themen werden in den überbetrieblichen Kursen vertieft. Von diesen profitieren Volontäre noch aus einem anderen Grund: Sie lernen hier zahlreiche Kollegen aus anderen Medien kennen, können sich mit diesen über deren Abläufe unterhalten und wertvolle Kontakte für das spätere Berufsleben knüpfen. Bei praktischen Übungen werden sie zudem von erfahrenen Kollegen unterstützt, sodass die Volontäre von deren Wissensschatz profitieren können.

Gehalt

Das Volontärsgehalt kann – je nachdem, bei welchem Medium der Volontär arbeitet – höchst unterschiedlich ausfallen. Der Grund liegt darin, dass es lediglich bei tarifgebundenen Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen verbindliche Vereinbarungen für die Gehälter der Volontäre gibt. Hier erhalten Volontäre seit dem 1. Mai 2012 ein Einstiegsgehalt von 1.607 Euro, wenn sie unter 22 Jahre alt sind. Jenseits dieser Altersgrenze liegt das Einstiegsgehalt bei 1.781 Euro.

Im zweiten Volontärsjahr erhalten die jungen Journalisten eine tarifliche Vergütung von 2.065 Euro. Hinzu kommen weitere Leistungen wie die Jahresleistung und das Urlaubsgeld. Erstere liegt bei einer Höhe von 95 Prozent des Monatsgehaltes, das Urlaubsgeld bei 80 Prozent. Die Arbeitnehmerverbände plädieren dafür, dass sich Arbeitgeber auch bei nicht tarifgebundenen Medienunternehmen an dieser Größenordnung orientieren sollten.

Laut Tarifvertrag ist die Vergütung bei Tageszeitungen am höchsten. Allerdings gibt es hier viele Unternehmen, die entweder gar nicht tarifgebunden sind oder einen Haustarifvertrag haben. Für Volontäre, die bei Zeitschriften arbeiten, liegt das Entgelt etwas niedriger. Jedoch gibt es hier einen gemeingültigen Vertrag, der deutschlandweit für alle Zeitschriften gilt. Grundsätzlich liegen die Gehälter bei Hörfunk und Fernsehen unter den Sätzen, die Volontäre bei Zeitungen und Zeitschriften erhalten. Hier ist das tatsächliche monatliche Salär allerdings stark abhängig vom jeweiligen Unternehmen. Unterm Strich liegt das durchschnittliche Bruttojahresgehalt für Volontäre in Deutschland bei 23.830 Euro.

Nach der Ausbildung

Die Chancen auf eine Festanstellung nach einem Volontariat stehen denkbar schlecht, nur etwa 30 Prozent der Volontäre werden nach der Ausbildung direkt eingestellt. Allerdings stehen jungen Journalisten zahlreiche andere Möglichkeiten offen: Sie können sich bei anderen Medien bewerben, eine Karriere als freier Journalist einschlagen oder mit einem Online-Medium den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Doch auch jenseits des klassischen Journalismus stehen ihnen zahlreiche Wege offen. Beispielsweise können sie für Agenturen arbeiten, eine Karriere als Texter einschlagen oder in die Öffentlichkeitsarbeit für Unternehmen oder Institutionen gehen. Hier haben sie den großen Vorteil, dass sie wissen, wie die früheren Kollegen in den Redaktionen arbeiten. Sie können ihre jeweiligen Themen also entsprechend aufbereiten, sodass die Chancen umso größer sind, dass diese auch veröffentlicht werden.

Der Hintergrund für diese Entwicklung besteht übrigens darin, dass Arbeitsmarkt und Berufschancen maßgeblich von medienpolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen abhängen. So haben der Journalismus und die Medienwirtschaft – auch durch kommerzielle Rundfunkangebote, Digitalisierung und die aufkeimende Webwirtschaft – in den vergangenen Jahrzehnten einen wahren Boom erlebt. Dieser brach jedoch im Zuge der weltweiten Konjunkturkrise, des Zusammenbruchs des Neuen Marktes und rückläufige Werbeinvestitionen seitens anderer Unternehmen ein. Weil die Werbeeinnahmen einbrachen, waren die Medien wiederum gezwungen, drastische Einsparungsmaßnahmen vorzunehmen und das Personal zu reduzieren.

Ein weiterer Grund, der vor allem die Printmedien schwächt, liegt am geänderten Nutzungsverhalten insbesondere junger Menschen. Diese nutzen zunehmend das Internet und soziale Medien, um Informationen zu beziehen. Jedoch bleiben Tageszeitungen und Zeitschriften oder Anzeigenblätter nach wie vor die wichtigsten Arbeitgeber für Journalisten. So arbeiten bei Tageszeitungen rund 13.500 fest angestellte Journalisten, bei Zeitschriften und Anzeigenblättern etwa 9.000. Ebenso viele Journalisten sind für den Rundfunk tätig. Pressestellen zählen circa 7.000 fest angestellte Journalisten, der Bereich Online und Multimedia etwa 4.000 und Agenturen sowie Pressebüros etwa 1.000. Hinzu kommen zu den rund 43.500 festangestellten noch etwa 26.000 freie Journalisten, die hauptberuflich in den deutschen Medien tätig sind. Insgesamt ist es im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung und weltweite Krisen allerdings äußerst schwierig, die zukünftigen Perspektiven realistisch einzuschätzen.

Die besten Zukunftsaussichten dürften deshalb junge Journalisten haben, die sich Kenntnisse in mehreren Mediengattungen aneignen. Das zeigt sich auch an der Entwicklung hin zu crossmedialen Produktionen in Bild, Ton und Wort, sowie an der Vermischung von Journalismus mit Unterhaltung und Werbung.

Vorteile

Praxisorientierung: Volontariate sind am stärksten praxisorientiert. Die Volontärin oder der Volontär recherchiert, schreibt Texte und redigiert viel – ja, prinzipiell ausschließlich. Demgegenüber kommt die theoretische Fundierung häufig zu kurz. Theoretische Fundierung ist aber wichtig. Es liegt also das umgekehrte Verhältnis wie bei den Hochschulen vor, wo bisweilen ein Zuviel an Theorie und ein Zuwenig an Praxis beklagt wird.

Einkommen: Volontäre müssen in der Regel nicht für die Ausbildung bezahlen, sondern erhalten umgekehrt sogar eine kleine Ausbildungsvergütung. Im Vergleich zu Ausbildungen, bei denen Lehrgangs- oder Studiengebühren anfallen, ist dies natürlich ein Vorteil. Einige Volontariate sind aber nur verlängerte Praktika mit keiner oder geringer Vergütung.

Nachteile

Geringe theoretische Fundierung: Wie schon bei den Vorteilen – der starken Praxisorientierung – angesprochen, ist ein Volontariat häufig mit einer geringen theoretischen Ausrichtung verbunden. Um seine eigene Arbeit ausreichend reflektieren zu können, ist ein Mindestmaß an Theorie erforderlich. Sonst ist man zwar „ausgebildet“, aber nicht „gebildet“.

Unterschiedliche Standards: Dadurch, dass es keine verbindlichen einheitlichen Bildungsstandards für Volontariate gibt, macht es einen großen Unterschied, wo man sein Volontariat absolviert. Entsprechend kann es große inhaltliche Differenzen geben. Dies kann die berufliche Mobilität einschränken.

Starker Bezug zum konkreten Medium: Das Volontariat wird in der Regel in einer Redaktion absolviert. Die Ausbildung ist dementsprechend sehr eng an die Bedürfnisse genau dieser Redaktion ausgerichtet. Die Zielgruppe (Leser, Zuhörer, Zuschauer) und den entsprechenden Sprachstil nur des Mediums lernt man während der Volontärszeit kennen. Dies schränkt eventuell die berufliche Mobilität ein, wenn man nach dem Volontariat nicht übernommen wird, sondern sich bei einer anderen Redaktion bewerben muss. Besonders eklatant ist dies bei Zeitungen mit politischer Ausrichtung.

Gefahr des Redakteursersatzes: Gibt es die Gefahr von zu viel Praxis? Nein, natürlich nicht. Aber beim Volontariat muss man leider bisweilen aufpassen, dass der Volontär nicht mit einem voll ausgebildeten und voll bezahlten Redakteur verwechselt wird. Dies ist leider bisweilen der Fall. Um die Personalkosten zu senken, sollen Volontäre oft ganz oder teilweise vollwertige Redakteursstellen ersetzen.

Alternative Ausbildungswege

Neben dem klassischen Volontariat führen zwei weitere Wege in den Journalismus. Hierbei handelt es sich um entsprechende Studiengänge an Universitäten bzw. Fachhochschulen sowie um Lehrgänge an Journalistenschulen.

Universitäten bzw. Fachhochschulen: So bieten diverse Hochschulen in Deutschland Studiengänge im Bereich Journalismus, Journalistik, Publizistik, Kommunikations- und Medienwissenschaft, Fernsehjournalismus und Online-Journalismus an. Welche Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sein müssen, unterscheidet sich allerdings von Hochschule zu Hochschule. Weil es sich um äußerst beliebte Studiengänge handelt, besteht jedoch meist ein Numerus Clausus, also eine Mindestnote im Abiturzeugnis. Alternativ können Journalisten aber auch geisteswissenschaftliche Fächer wie Germanistik, Anglistik oder Geschichte studieren und anschließend ein Volontariat absolvieren. Natur- oder wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge empfehlen sich für junge Menschen, die eines Tages als Fachjournalist arbeiten möchten. Dies ist in nahezu allen Mediengattungen möglich. Denn Medien, die sich auf bestimmte Fachbereiche spezialisiert haben, legen deutlich mehr Wert auf das spezifische Fachwissen als auf die journalistische Ausbildung.

Journalistenschulen: Die Journalismus-Ausbildung an einer Journalistenschule ist weniger theorielastig als ein Hochschulstudium. Vielmehr lernen die angehenden Journalisten praktische Fähigkeiten, die sie während ihrer Berufstätigkeit benötigen. Beispielsweise erlernen sie, wie investigativ recherchiert wird, wie man Artikel korrekt verfasst oder wie Reportagen gedreht und geschnitten werden. Weil die Plätze an Journalistenschulen begrenzt und entsprechend begehrt sind, müssen die angehenden Studenten nicht nur einen hervorragenden Schnitt im Abiturzeugnis vorweisen können, sondern auch zusätzliche Voraussetzungen erfüllen. Vielfach musst du etwa zunächst einen Text zu einem Thema verfassen, das nur grob vorgegeben wird. Im Anschluss daran erwarten dich weitere Tests und Auswahlgespräche. Hierbei wollen deine künftigen Ausbilder neben allgemeinen Kenntnissen auch deine journalistische Kompetenz überprüfen. Auch praktische Erfahrung im Rahmen eines Praktikums oder freier Mitarbeit wird vielfach erwartet. Journalistenschulen bieten oftmals auch Weiterbildungen an, z. B. in den Feldern Wissenschaftsjournalismus, Reisejournalismus oder Sportjournalismus.



Relevante Lehrgänge


zurück zum Lexikon
GDPR Cookie Consent mit Real Cookie Banner