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Reuters-Umfrage: Welche Medientrends sehen Führungskräfte für 2024?

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Die jährlich durchgeführte internationale Umfrage des Reuters Institute for the Study of Journalism befragt Führungskräfte aus Redaktionen, Medien und dem Digitalbereich zu ihrer Sicht der aktuellen Medientrends.

Studienautor Nic Newman prognostiziert in der Zusammenfassung der Ergebnisse „ein weiteres herausforderndes Jahr für den Journalismus“. Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sowie der Klimawandel, die Folgen der Pandemie und der wirtschaftliche Abschwung haben die Redaktionen im vergangenen Jahr in beispielloser Weise belastet – und dieser unerbittliche Druck werde sich auch in diesem Jahr fortsetzen.

Einblicke in die Trends und Herausforderungen 2024

Allein vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass nur knapp die Hälfte (47 Prozent) der Befragten zuversichtlich ist, was die Aussichten für den Journalismus im Jahr 2024 betrifft; zwölf Prozent sind wenig zuversichtlich. Viele befürchten Kostensteigerungen, sinkende Werbeeinnahmen und eine Verlangsamung des Abonnentenwachstums. Auch rechtliche und juristische Schikanen werden befürchtet. Zuversichtlich stimmt die Befragten hingegen die Hoffnung, dass hart umkämpfte Wahlen in den USA und anderswo sowohl das Nachrichteninteresse als auch den Nachrichtenkonsum steigern könnten – auch wenn dies nur eine vorübergehende Entwicklung sein könnte, die noch dazu eventuell mit der Gefahr eines weiteren Vertrauensverlusts in die Medien einhergeht.

Ein weiterer Einblick in den Studienbericht zeigt, dass vielen internationalen Führungskräften in der Medienwelt (63 Prozent) zudem ein starker Rückgang von Besucherzahlen auf Social-Media-Seiten Sorge bereitet. Die Mehrheit (77 Prozent) will daher vermehrt auf eigene Direktkanäle setzen und mehr Videos, Newsletter und Podcasts erstellen, der Umfang der produzierten Nachrichtenartikel soll jedoch gleich bleiben. Auch wollen viele alternative Drittanbieter ausprobieren und konkret WhatsApp und Instagram stärker nutzen. Großes Interesse haben die Befragten nach wie vor an Videonetzwerken wie TikTok und YouTube, während sich die Stimmung gegenüber Facebook und X/Twitter weiter verschlechtert hat.

Um den Problemen der selektiven Nachrichtenvermeidung und generell der „Nachrichtenmüdigkeit“ der Nutzerinnen und Nutzer entgegenzuwirken, nannten die Befragten verschiedene Strategien: So sind für viele eine bessere Erklärung komplexer Sachverhalte (67 Prozent), lösungsorientiertere oder konstruktivere Ansätze beim Storytelling (44 Prozent) sowie inspirierende menschliche Geschichten (43 Prozent) Lösungsansätze. Positivere (21 Prozent) oder unterhaltsamere (18 Prozent) Nachrichten wurden weniger häufig als Strategie genannt.

KI: Nutzen und Skepsis

Bezüglich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz zeigten sich die Befragten teilweise skeptisch. Zwar wird der Einsatz von KI für die Backend-Automatisierung von Nachrichten als die wichtigste Nutzung der neuen Technologie angesehen (56 Prozent), gefolgt von besseren Empfehlungsmöglichkeiten für Nutzerinnen und Nutzer (37 Prozent) und kommerziellen Anwendungsmöglichkeiten (28 Prozent). Dem Einsatz von KI zur Erstellung von Inhalten stehen die Führungskräfte jedoch ambivalent gegenüber – mehr als die Hälfte sieht darin das größte Reputationsrisiko für ihren Verlag bzw. ihr Unternehmen an.

Weitere Entwicklungen – Prognosen des Studienautors

Welche weiteren Entwicklungen sind in der Medienbranche in diesem Jahr möglich? Studienautor Nic Newman geht davon aus, dass wegen steigender Druckkosten und schwächerer Vertriebsnetze noch mehr Zeitungen ihre tägliche Produktion einstellen werden.

Darüber hinaus erwartet er eine deutliche Verschiebung hin zu Kombi-Angeboten von digitalen Nachrichten- und Nicht-Nachrichteninhalten. Diese würden von großen Verlagen zur Kundenbindung genutzt. „All Access“-Abonnements könnten beispielsweise Spiele, Podcasts, Zeitschriften, Bücher oder auch Inhalte anderer Verlage umfassen.

Außerdem geht Newman davon aus, dass KI-Bots und persönliche Assistenten dieses Jahr bedeutender werden – vor allem in den Bereichen Nachrichten und Sport. Dies werde grundlegende Fragen in Bezug auf das geistige Eigentum aufwerfen. Mit der Verbesserung der Klontechnologien werden laut Studie viele dieser Bots auf der Grundlage von Prominenten oder Journalistinnen und Journalisten agieren, wodurch sich ebenfalls rechtliche und ethische Fragen ergeben werden.

Für die Studie „Journalism, Media, and Technology Trends and Predictions 2024 wurden 314 Führungskräfte aus 56 Ländern befragt, die in der Medienbranche arbeiten.


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