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Klimawandel und Biodiversität im TV: Was wird gezeigt und was will das Publikum?

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Eine im Oktober veröffentlichte Studie hat untersucht, wie präsent die Themen Klimawandel und Biodiversität im deutschen Fernsehprogramm sind und was sich das Publikum in Bezug auf diese wünscht.

Um die TV-Berichterstattung zu untersuchen, wurde eine automatisierte Programmanalyse bei 20 deutschen Fernsehsendern hinsichtlich der Präsenz der Themen Klima und Biodiversität durchgeführt. Darüber hinaus wurden in repräsentativen Befragungen sowie in Tiefeninterviews die Sichtweisen und Erwartungen des Fernsehpublikums zu diesen Themen eruiert.

Die Ergebnisse zeigen: Das Fernsehen ist das am meisten genutzte Medium zum Thema Klimawandel, wie fast die Hälfte der Befragten angab. An zweiter Stelle werden Online-Nachrichten (rund 20 Prozent) genutzt, um sich über den Klimawandel zu informieren; es folgen „Quellen wie soziale Medien oder Blogs“ (10 Prozent).

Das Thema Klimawandel wird von rund 80 Prozent der Befragten zwar von „etwas“ bis „sehr/extrem“ präsent in den Medien erlebt, ein Blick auf die Programmanalyse zeigt jedoch ein anderes Bild: Demnach wird der Klimawandel lediglich in 1,8 Prozent der Sendeminuten im untersuchten Fernsehprogramm abgedeckt. In Bezug auf das Thema Biodiversität ergibt sich ein noch schlechteres Bild: So liegt der relative Anteil des Themas im Gesamtprogramm nur bei 0,2 Prozent aller Sendeminuten. Tatsächlich nehmen auch rund 80 Prozent das Thema „etwas“ bis „kaum/gar nicht“ wahr.

Aber wie sieht es mit dem Interesse des Publikums an Beiträgen zum Klimawandel aus? Hier zeigen die Ergebnisse, dass rund zwei Drittel der Befragten teilweise bis sehr interessiert an dem Thema sind. Ebenso rund zwei Drittel gaben zudem an, dass Extremwetter-Ereignisse und die Berichterstattung darüber ihre Wahrnehmung über den Klimawandel verändert habe – 72 Prozent meinten sogar, diese haben ihnen deutlich gemacht, dass der Klimawandel „hier und jetzt“ stattfindet. Rund 60 Prozent der Zuschauerinnen und Zuschauer wünschen sich, dass der Klimawandel im Fernsehen häufiger Thema ist.  Zudem haben rund 40 Prozent angegeben, sie hätten gerne ein tägliches Update zu Klimawandel und Biodiversität. Rund 45 Prozent wünschen sich mehr Präsenz der Themen im Hauptabendprogramm und rund 60 Prozent wollen, dass dazugehörige Inhalte online leichter auffindbar sind.

Die „Wunsch-Formate“ und Sendungen, um mehr über den Klimawandel zu erfahren, sind Dokumentationen (53 Prozent), Wissenschaftssendungen (49 Prozent) und Nachrichten(magazine) des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks (46 Prozent).

Obwohl sich also insgesamt durchwegs ein hohes Themeninteresse ausmachen lässt, muss dennoch festgehalten werden, dass laut Studie rund die Hälfte der Befragten Themenverdruss in Bezug auf den Klimawandel empfindet. Bei ebenso vielen kommt es sogar zu Themenvermeidung.

Aber welche Handlungsempfehlungen für Medienschaffende lassen sich aus den Ergebnissen ableiten? Hierzu wird in der Zusammenfassung der Studie unter anderem vorgeschlagen, das Klimathema in allen Ressorts zu verankern und bei jeglicher Berichterstattung mitzudenken, wie es etwa das Netzwerk Klimajournalismus (ev. LINK: Netzwerk Klimajournalismus) aufzeigt. Ebenso wird eine konstruktive, lebendige Berichterstattung über das Thema empfohlen. Ein Appell richtet sich an die Medienhäuser: Ressourcen bilden und (externe) Fortbildungen für Medienschaffende ermöglichen, damit diese langfristig Fachwissen zum Thema aufbauen können.

Die Studie „Klimawandel und Biodiversität: Was zeigt das Fernsehen? Was wollen die Zuschauer*innen?“ wurde von der MaLisa Stiftung zusammen mit der ARD, dem ZDF, ProSiebenSat.1 und RTL Deutschland initiiert und gefördert. Prof. Dr. Irene Neverla (FU Berlin) und Prof. Dr. Imke Hoppe (LMU München) entwickelten und leiteten die Untersuchung in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT). Die Datenerhebung wurde im Herbst 2022 durchgeführt.

 


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